Rückblick

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Benefizkonzert des Bundespräsidenten „Viva Boléro”

Rückblick, 16. April 2011, Rheingoldhalle Mainz

„Viva Bolero” – so lautete das musikalische Motto des Benefizkonzert des Bundespräsidenten in der Mainzer Rheingoldhalle am 16. April 2011. Vor 2300 Besuchern erklang unter der Leitung von Generalmusikdirektor Karl-Heinz Steffens ein virtuos-temperamentvolles Programm mit Werken von Nikolaj Rimskij-Korsakow, Anton Rubinstein und Maurice Ravel. Es spielte die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Auf dem anschließenden Empfang nutzten viele Konzertbesucher die Chance zum Gespräch mit Bundespräsident Christian Wulff.

Dem Stand der „Stiftung Lesen“ galt der erste Weg von Bundespräsident Christian Wulff in der Rheingoldhalle. Schließlich ist der Reinerlös des Benefizkonzerts dem Projekt „Lesestart“ gewidmet. Die Bedeutung des Lesens war es dann auch, was Bundespräsident Wulff und Ministerpräsident Kurt Beck in ihren Reden hervorgehoben. „Ohne Lesen, ohne leidenschaftliches Lesen geht unserem Land (…) kulturelle Kraft verloren”, so Wulff. Noch immer gebe es in Deutschland sehr viele Analphabeten und auch Menschen, die nicht lesen wollen. Zugleich betonte er: „Ein Buch vor den Augen verhindert in der Regel ein Brett vor dem Kopf.”

bildMinisterpräsident Beck bezeichnete die Leseförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und lobte die Arbeit der Stiftung Lesen. In seiner Begrüßung vor Konzertbeginn dankte der Ministerpräsident allen Sponsoren und Konzertbesuchern. „Sie haben mit Ihrem Sponsoring oder mit dem Kauf einer Konzertkarte das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Sie können heute Abend ein besonderes Konzert mit russisch-spanischen Klängen erleben und unterstützen zugleich die Arbeit der Stiftung Lesen.“ Es komme auch im Zeitalter elektronischer Medien darauf an, Lesefähigkeit und Lesefertigkeit nicht nur zu erhalten, sondern zu erhöhen. Wie Beck erläuterte, fördere Rheinland-Pfalz seit vielen Jahren die Stiftung und sei Mitglied im Stiftungsrat. „Ich freue mich, dass die von der Stiftung Lesen und der Landesregierung gemeinsam initiierten Projekte bundesweite Nachahmung fanden“, sagte Ministerpräsident Beck.

Sein Dank gelte allen, die zur Verwirklichung dieses Abends beitragen, besonders der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung ihres Chefdirigenten Karl-Heinz Steffens und dem jungen Pfälzer Pianisten Joseph Moog. Ministerpräsident Beck: „Ich glaube, auf uns wartet ein einmaliges Konzert und ein herausragendes künstlerisches Ereignis. Uns allen wünsche ich einen unvergesslichen Abend und freue mich, Ihnen nach dem Konzert beim Empfang zu begegnen.“ Der große Applaus am Ende des Konzertes bestätigte die Einschätzung.

bild1Nach Benefizkonzert: Bundespräsident Wulff sucht Gespräch mit Mainzern

Dirigent Karl-Heinz Steffens hat gerade die in orchestraler Auffächerung sich selbst umgarnenden Melodielinien von Ravels „Bolero“ machtvoll zur Detonation gebracht, da werden im Publikum der restlos gefüllten Rheingoldhalle schon die ersten Signierstifte gezückt. Als einer der ersten erhascht Robert (15) ein bundespräsidiales Autogramm, zusammen mit seiner Mutter ist er eigens aus Waldlaubersheim zum Benefizkonzert für die Stifung Lesen angereist.

Und während Christian Wulff und Ministerpräsident Kurt Beck beim Bürgerempfang mit einem kühlen Pils auf den gelungenen Klassikabend anstoßen, erweist sich die Bundespräsidentengattin als profunde Kennerin der Kinderbuch-Szene. Ihrem siebenjährigen Sohn lese sie derzeit die Abenteuer Bobo Siebenschläfers vor, der kleine Zweieinhalbjährige könne von der „Kleinen Raupe Nimmersatt“ gar nicht genug bekommen, erzählt Bettina Wulff der AZ: „Das kann ich schon auswendig“.

Immer dichter scharen sich die Wulff-Fans um die kleine Small-Talk-Insel im Foyer der Rheingoldhalle. Anja Kossiwakis aus Wiesbaden war mit ihren Kindern Tina und Sandra am Vormittag schon an der Kinder-Uni, nun will Wulff wissen, ob von seinen Vortrag über Demokratie auch etwas hängen geblieben ist. „Das mit dem Präsidenten-Auto“, sagt Sandra, aber der erste Mann im Staate will auch noch ein bisschen Fahnen-Farbkunde bieten – obwohl das mit dem Schwarz Rot Gold der Bundesflagge und dem Hambacher Fest schon etwas kompliziert sei. „Und jetzt aber ab ins Bett“.

bildKurzer Bummel über die „Meenzer Mess“

Es mag am jungenhaften Charme des Bundespräsidenten liegen, dass fast nur Frauen enger auf Tuchfühlung gehen. Zum Beispiel Beyhan Özedemir, die sich lachend mit Christian Wulff über die Verkehrsbedingungen rund um Bremerhafen, ihrer Heimatstadt, unterhält. Wulff hatte dort kürzlich das Auswanderermuseum besucht. Aber auch die rheinhessische Lebensart scheint den Wulffs, die auf dem Weg zum „Viva Bolero“-Konzert kurz über die „Meenzer Mess“ am Rheinufer gebummelt sind, zu behagen. „Meine Frau hat gesagt, die Rheinland-Pfälzer seien die richtigen Spanier Deutschlands“, verkündet der Bundespräsident launig bei seiner Begrüßungsansprache. Zuvor hat er allerdings ein bisschen skeptisch das ebenso abweisend wie angejahrt wirkende Mainzer Rathaus beäugt. „Der Ratssaal ist sehr gut“, wirft Oberbürgermeister Jens Beutel flink ein.

Nach gut einer Stunde entspannt lockeren Bürger-Plauschs bannen die Sicherheitsleute gegen 22.30 Uhr eine Gasse durch das immer noch zahlreich vorhandene Konzertpublikum, mit einem letzten Blick auf den Lichterkranz des Riesenrads entschwindet der Bundespräsident. Zurück bleibt auch ein zufriedener Tastenvirtuose. Der junge Pianist Joseph Moog, der bei Anton Rubinsteinss Klavierkonzert Nr. 4 eine packende Vorstellung gab, hat Christian Wulff so beeindruckt, dass er erneut auf Einladung des Bundespräsidenten konzertiert: Am 28. Mai beim Botschaftertreffen auf dem Hambacher Schloss.

Von Michael Jacobs, Allgemeine Zeitung Mainz, 18.4.2011